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Interview / Elfenbeinküste

Pauline Zéi

Portrait von Pauline Zéi von der Elfenbeinküste, sie lächelt in die Kamera

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Pauline Zéi

ist Agraringenieurin und Direktorin von INADES Formation Côte d'Ivoire. Sie setzt sich seit 2008 für benachteiligte Gemeinschaften im ländlichen Raum, nachhaltige Landwirtschaft und gegen den Einsatz gefährlicher Pestizide ein.

Seit 2023 leitet sie die Kampagne „Bewusstsein für Ernährung", die über die Gefahren synthetischer Pestizide aufklärt und sich für eine bessere Umsetzung bestehender Regelungen einsetzt. INADES Formation ist ein panafrikanisches Netzwerk, das 1962 gegründet wurde, um die soziale Eigenständigkeit benachteiligter Gemeinschaften zu fördern. Die Organisation ist in zehn afrikanischen Ländern vertreten; in der Elfenbeinküste befinden sich sowohl der internationale Hauptsitz als auch das nationale Büro.

Bildung ist das Herzstück unserer Arbeit. Denn ohne Bildung gibt es keine Entwicklung.

Welche Auswirkungen haben die Produktions- und Handelsbeziehungen zwischen Europa und Afrika?

Die Auswirkungen lassen sich aus zwei Perspektiven betrachten. Bei Exporten aus der Elfenbeinküste nach Europa müssen die Produkte strenge europäische Vorschriften einhalten, etwa die maximalen Rückstandsgrenzen für Pestizide. Das ist eine große Herausforderung, da die Landwirt:innen intensive Unterstützung benötigen, um diese Grenzen einzuhalten. Viele scheitern daran, was den Zugang zum europäischen Markt erschwert.

Bei Importen aus Europa in afrikanische Länder zeigt sich das umgekehrte Bild: Diese Produkte gelangen oft ohne ausreichende Kontrollen ins Land, da die Kapazitäten fehlen, ihre Unbedenklichkeit zu überprüfen. Es entsteht eine asymmetrische Beziehung – während afrikanische Landwirt:innen strenge europäische Normen erfüllen müssen, gibt es kaum Möglichkeiten, die Qualität der aus Europa importierten Produkte zu kontrollieren. Besonders betroffen ist dabei die Familie der Neonikotinoide, die in Europa verboten sind, aber weiterhin importiert werden. Hinzu kommen gefälschte Pestizide unbekannter Zusammensetzung sowie Fälle, in denen Landwirt:innen, vor allem im Gemüseanbau, selbst chemische Substanzen mischen.

Während afrikanische Landwirt:innen strenge europäische Normen erfüllen müssen, haben wir kaum Möglichkeiten, die Qualität der aus Europa importierten Produkte zu kontrollieren.

Welche ökologischen Folgen beobachten Sie?

Die ökologischen Folgen sind dramatisch. Die zunehmende Unfruchtbarkeit der Böden, Pestizidrückstände in Gewässern und Lebensmitteln, ein Verlust der für Bodenbelüftung und -düngung entscheidenden Bodenorganismen sowie eine Kontamination der gesamten Nahrungskette – von Fischprodukten bis zur Geflügelhaltung

Gibt es Initiativen oder Projekte, die sich diesen Herausforderungen stellen?

Auf staatlicher Ebene konzentrierten sich bisherige Anstrengungen vor allem auf die Entsorgung veralteter, nicht mehr verwendeter Pestizide. Bei zugelassenen Pestiziden fehlt es dagegen an Kontrolle und Umsetzung bestehender Regelungen. INADES fordert daher eine striktere Durchsetzung der Vorschriften sowie eine langfristige Reduktion bis hin zum Verbot synthetischer Pestizide.

Parallel dazu sensibilisiert die Organisation die Landwirt:innen selbst und bietet konkrete Alternativen: Schulungen zur Herstellung natürlicher Düngemittel sowie die Vermittlung nachhaltiger Anbaumethoden. Über den FICA (Fonds Interprofessionnel pour la Recherche et le Conseil Agricoles) wurde etwa ein Projekt zum Maisanbau mit Biokompost und Mykorrhiza-Pilzen umgesetzt, mit überraschenden Ergebnissen: Der so behandelte Mais überstand Trockenperioden besser, war widerstandsfähiger gegen Schädlinge und ergab ein geschmacklich besseres Toho, ein traditionelles Gericht. Eine unterstützte Produktionseinheit verkauft mittlerweile Biokompost an benachbarte Landwirt:innen und schafft so zusätzliche Einnahmen.

Auch beim Saatgut engagiert sich INADES: Über 70 % der Landwirt:innen nutzen weiterhin traditionelles, bäuerliches Saatgut, während der Staat hybrides Saatgut fördert. Besonders im Gemüseanbau dominieren importierte Sorten. Seit 2004 kämpft die Koalition COPAGEM gegen gentechnisch verändertes Saatgut und für die offizielle Anerkennung bäuerlichen Saatguts.

INADES ist dabei Teil eines breiteren Netzwerks zivilgesellschaftlicher Organisationen – von lokalen Initiativen wie einer Frauenstiftung für agroökologische Praktiken bis zu überregionalen Bündnissen wie AFSA (Alliance for Food Sovereignty in Africa) und Partnerschaften mit europäischen Organisationen, die sich gegen den Export in Europa verbotener Pestizide nach Afrika einsetzen.

Welche Wünsche oder Forderungen haben Sie an die Politik und die Gesellschaft, insbesondere vor dem Hintergrund globaler Ungerechtigkeiten?

Ich möchte alle europäischen Organisationen dazu aufrufen, sich stärker für das Verbot von in Europa untersagten Pestiziden einzusetzen, die weiterhin nach Afrika exportiert werden. Es ist absurd, dass Pestizide, die in Europa verboten sind, hier weiterhin verwendet werden – obwohl wir in einer globalisierten Welt leben. Die in Afrika produzierten Lebensmittel landen am Ende auch auf den Tellern in Europa. Wir sitzen alle im selben Boot.

Ich appelliere an Solidarität und Unterstützung, damit unsere Arbeit in Afrika von europäischen Organisationen mitgetragen wird. Verbotene Pestizide dürfen nirgendwo auf der Welt mehr auftauchen.

Es ist absurd, dass Pestizide, die in Europa verboten sind, hier weiterhin verwendet werden, obwohl wir in einer globalisierten Welt leben. Die in Afrika produzierten Lebensmittel landen am Ende auch auf den Tellern in Europa. Wir sitzen alle im selben Boot!

Das Interview wurde im März 2026 durchgeführt.

Der Kontakt zu Pauline Zéi erfolgte dank ADV Nord e.V.