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Interview / Senegal

Diaba Diop

Ganzkörperfoto von Diaba Diop an der Küste Senegals

Rewild Africa | Blue Ventures

Diaba Diop

ist Fischverarbeiterin, lebt in Thiaroye-sur-Mer bei Dakar und arbeitet bei Pencum Senegal, einer von Frauen geführten Verarbeitungsstätte. Zugleich ist sie Präsidentin des Netzwerks der Frauen in der handwerklichen Fischerei Senegals (Réseau des Femmes de la Pêche artisanale du Sénégal REFEPAS) . Ein Amt, das sie zwischen Anlandeplätzen und Sitzungssälen pendeln lässt, immer mit demselben Ziel: dass die Anliegen der Frauen gehört und sie selbst in Entscheidungen einbezogen werden.

Ihre Arbeit ist wichtig: Frauen prägen die gesamte Wertschöpfungskette, vom Fang über die Verarbeitung bis zur Vermarktung, doch ihre Arbeit bleibt unterrepräsentiert. Zugleich wird der Fisch, der früher reichlich vorhanden war, durch Fischmehlfabriken, Grundschleppnetzfischerei, illegalen Fischfang und den Klimawandel immer knapper – und damit auch der Zugang zu ihrer Lebensgrundlage.

Wir haben mit ihr über die Krise der Fischbestände gesprochen:

Was müsste sich an der Fischereipolitik der Europäischen Union ändern, damit sich die Bestände erholen? Und welche Folgen hat das für die Frauen der senegalesischen Fischerei?

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Man kann nicht über Fischerei sprechen, ohne über Frauen zu sprechen

Diaba Diop

Frau Diop, welche klimabedingten Veränderungen beobachten Sie direkt – etwa bei der Wassertemperatur, den Wanderrouten der Fische oder den Fangsaisonen?

Die Auswirkungen des Klimawandels haben viele Probleme verursacht, die mit der Verknappung der Fischbestände zusammenhängen. Es gibt hohe Temperaturen, und es gibt Zeiten, in denen bestimmte Arten ihre Wanderrouten ändern. Aufgrund der Auswirkungen des Klimawandels wandern bestimmte Fischarten also in andere Gebiete ab. Die Fischer müssen manchmal weiter hinausfahren, um Fisch zu fangen. Hinzu kommen meteorologische Probleme sowie Störungen der Fangsaisonen.

All diese Faktoren führen zu einer Verknappung der Ressourcen. Und diese Verknappung wirkt sich auf unseren Beruf aus, insbesondere auf die Verarbeitung von Fischereierzeugnissen. Wenn der Fischer keine Erzeugnisse hat, kann der Fischgroßhändler keine zum Verkauf erhalten, und dasselbe gilt für die Frauen in der Verarbeitung.

Was müsste sich an der Fischereipolitik der Europäischen Union oder am Verhalten der europäischen Regierungen ändern, damit sich die Fischbestände wieder erholen können?

Ich denke, wir müssen uns in Bezug auf die Fischbestände direkt an die Regierungen der europäischen Länder wenden. Sie müssen sich strikt an die wissenschaftlichen Gutachten halten. Denn oft stützt man sich bei der Vergabe von Fanglizenzen auf die Empfehlungen der Wissenschaftler. Deshalb muss man diese beachten und Fangquoten festlegen, an die sich alle halten. Denn manchmal sieht man Schiffe, die fischen und dabei sogar die ihnen zugeteilten Quoten überschreiten.

Eine weitere notwendige Änderung ist die Veröffentlichung aller Informationen im Zusammenhang mit den Fanglizenzen. Das muss transparent sein. Ich denke, dass die Veröffentlichung der Schiffsliste es ermöglicht, zu erkennen, wer das Recht zum Fischen hat und wer nicht.

Ein weiterer Punkt ist, bestimmte Fördermittel einzustellen. Zum Beispiel gibt es Fördermittel für Treibstoff, um die Kleinfischerei zu unterstützen. Oft profitieren davon jedoch die großen Schiffe. Diese Fördermittel sind für die Modernisierung unserer Pirogen bestimmt. Die Grundschleppnetzfischerei ist industriell und zerstörerisch. Wir müssen dem ein Ende setzen. Denn Menschen, die sich ständig über die Fischereivorschriften hinwegsetzen und von diesen Subventionen profitieren, sind es, die die Gewässer leerfischen, während die Bevölkerung dort lebt und unter Ernährungsunsicherheit leidet. Deshalb müssen wir die handwerkliche Fischerei fördern. Aber auch während der Schonzeiten müssen wir verhindern, dass diese Schiffe in den Laichgebieten fischen, in denen sich die Fische fortpflanzen. Die anderen Länder müssen unsere Politik respektieren – denn jedes Land hat seine eigene Fischereipolitik.

Was beobachten Sie über die illegale Fischerei vor der senegalesischen Küste, und wo sehen Sie eine internationale Verantwortung, diese besser zu kontrollieren?

Es muss eine nationale Überwachung geben. Aber man kann keine Schiffe überwachen, die man nicht kennt. Das heißt, man weiß nicht, welche eine Fanggenehmigung erhalten haben und welche nicht.

Durch die illegale Fischerei gehen unseren Ländern jedes Jahr Hunderte Millionen verloren. Jedes Fischereifahrzeug, das ohne Genehmigung fischt und die Fischereirichtlinien eines Landes nicht einhält, begegt einen Verstoß. Um die Situation zu regulieren, bedarf es einer partizipativen Überwachung: Man muss über eine Liste der Schiffe verfügen, die in unseren Gewässern fischen. Außerdem müssen die Fischereizonen abgegrenzt werden, insbesondere die Aufzuchtgebiete, aber auch die Pufferzonen. Denn es gibt Gebiete, in denen handwerkliche und industrielle Fischerei am selben Ort betrieben werden. Um die illegale Fischerei einzudämmen, müssen wir die Fischereiflotten regulieren, die in den Ländern fischen.

Welche Verantwortung tragen ausländische Fischmehl- und Fischölfabriken für die von Ihnen beschriebene Verknappung?

Sie tragen eine sehr große Verantwortung. Es sind diese Fischmehl- und Fischölfabriken, die die Überfischung der Fischbestände begünstigen. Zu den bereits genannten Problemen kommen die Auswirkungen des Klimawandels, die Verschmutzung der Ressourcen, der Temperaturanstieg sowie die Förderung von Gas und Öl hinzu.

Es wäre notwendig, den Bau aller neuen Fischmehlfabriken zu stoppen. Denn diese Fabriken zehren die Ressourcen unserer Ozeane ab. Diese Fische werden zur Fütterung von Fischen und anderen Tieren verwendet. Doch diese Art der Nutzung stellt ein Problem dar. Diese Fabriken tragen also eine sehr große Verantwortung für die Erschöpfung unserer Bestände, da sie vor allem den Fang von Jungfischen und schlechte Fischereipraktiken begünstigen.

Ich sage immer wieder: Was wir von den Export-Ländern erwarten, ist, dass sie Alternativen entwickeln, die nicht auf Fischmehl basieren. Denn mit den wenigen Fischbeständen, die uns zur Verfügung stehen, können wir uns als Verbraucher in Westafrika nicht versorgen.

Und wenn wir weiterhin unseren Fisch exportieren, wird es auf Dauer zu einer Fischknappheit kommen. Das ist einer der Gründe, warum derzeit in unseren Ländern die Fischpreise in die Höhe schnellen. Deshalb fordern wir diese Länder auf, den Export von Fisch für Fischmehlfabriken einzustellen und auch den Bau neuer Fischmehlfabriken zu unterbinden, damit wir unsere Bestände wieder auffüllen können.

Sie sprechen von unlauterem Wettbewerb – wie zeigt der sich konkret im Alltag der Frauen in der Fischverarbeitung?

Wir sind eine schutzbedürftige Bevölkerungsgruppe: Frauen in der Fischverarbeitung, darunter junge Frauen und Frauen mit Behinderung. Wir sind auf diese Fische angewiesen, um die Verarbeitung durchzuführen und die Bevölkerungsgruppen zu ernähren, die keinen Zugang zu kleinen Fischen haben. Wo wir ein Stück Fisch für 2.000 oder 3.000 Franken kaufen können, kann die Fabrik für 6.000 Franken kaufen. Es ist also der unlautere Wettbewerb, der unser Geschäft beeinträchtigt.

Die Fischmehlfabriken verfügen über beträchtliche finanzielle Mittel, während das bei uns, den verarbeitenden Frauen, nicht der Fall ist. Wenn der Fisch am Strand ankommt, sei es über den Fischer oder den Fischgroßhändler, wird er zum Verkauf angeboten. Es entsteht also ein Preiswettbewerb. Wenn wir den Preis, den die Fabriken zahlen können, nicht aufbringen können, haben wir keinen Zugang zu diesem Fisch. Und genau diese Fabriken werden den Fisch kaufen, ihn zu Fischmehl verarbeiten und zur Fütterung von Zuchtfischen verwenden.

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Deshalb müssen wir die Bevölkerung davor warnen, Produkte aus der illegalen Fischerei zu kaufen. Ein verantwortungsbewussterer Konsum muss gefördert werden.

Welche Rolle spielt die weltweite Nachfrage nach Fisch und Fischprodukten – und was müsste sich an den Konsumgewohnheiten ändern, damit sich die Bestände erholen können?

Die weltweite Nachfrage nach Fisch und Fischprodukten ist eine wesentliche Ursache für diese Verknappung. Die Grundschleppnetzfischerei zerstört die marinen Lebensräume. Und wenn die Fische keine Lebensräume mehr haben, wandern sie woandershin ab.

Deshalb müssen wir die Bevölkerung davor warnen, Produkte aus der illegalen Fischerei zu kaufen. Ein verantwortungsbewussterer Konsum muss gefördert werden. Wir als Verbraucher müssen den Verzehr von Produkten aus der illegalen Fischerei oder der Grundschleppnetzfischerei vermeiden, die unsere Ozeane zerstören. Wenn wir weiterhin unseren Fisch exportieren, wird es auf Dauer zu einer Fischknappheit kommen. Das ist einer der Gründe, warum derzeit in unseren Ländern die Fischpreise in die Höhe schnellen.

Welche Rolle spielen dabei die lokalen Verbraucherinnen und Verbraucher im Westen? Was können sie von ihnen erwarten?

Was wir von den Verbraucherinnen und Verbrauchern erwarten, ist, dass sie sich dafür einzusetzen und Druck auf ihre Länder auszuüben (Lobbyarbeit machen), damit ihre Politik die Regeneration unserer Ressourcen respektieren und schützen.

Denn ohne diese Ressourcen werden wir keine Nahrung und keine Arbeit mehr haben und unsere Einkünfte verlieren. Schließlich sind es diese Fische, mit deren Hilfe wir das Schulgeld für unsere Kinder bezahlen, unsere medizinische Versorgung finanzieren und die täglichen Ausgaben unserer Familien decken können. Wenn uns all diese Mittel nicht mehr haben, wird unser Beruf verschwinden – insbesondere für uns Frauen.

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Früher waren es nur Männer, aber heute sieht man junge Menschen, Frauen und Kinder, die den Gefahren des Meeres trotzen. Warum? Weil wir keinen Fisch mehr finden.

Sehen Sie einen Zusammenhang zwischen der Fischereikrise und der Migration junger Menschen nach Europa über die sogenannte „Atlantikroute"?

Ja, es ist die Verknappung der Ressourcen, die die handwerklichen Fischer dazu veranlasst, diesen Weg zu nehmen. Früher waren es nur Männer, aber heute sieht man junge Menschen, Frauen und Kinder, die den Gefahren des Meeres trotzen. Warum? Weil wir keinen Fisch mehr finden. Unser gesamter Fisch wird nach Europa exportiert, entweder zu Fischmehl verarbeitet oder im Rohzustand exportiert. Und die Verarbeitung zu Fischmehl hat die Arbeit der Frauen in der Fischverarbeitung stark beeinträchtigt. Wenn wir nicht mehr genug Fisch finden, um uns zu ernähren, bekommen wir Probleme. Das ist der Grund, warum Frauen, Jugendliche und Kinder – weil sie keine Hoffnung mehr haben – den Weg nach Europa einschlagen.

Welche Art von Unterstützung (finanziell, rechtlich, politisch) würde den Frauen in diesem Sektor am meisten helfen?

Finanzielle Unterstützung. Frauen benötigen maßgeschneiderte Kredite oder Investitionsmittel, die es ihnen ermöglichen, ihre Ausrüstung zu verbessern, Fisch zu kaufen und sich geeignete Ausrüstung für die Verarbeitung zu beschaffen. Denn Geld ist der Schlüssel zum Erfolg: Wer nicht genug Geld hat, kann nicht mit den Exporteuren konkurrieren, die über erhebliche finanzielle Mittel für die Produktion von Fischmehl verfügen.

Wir brauchen außerdem rechtliche Unterstützung und eine Stärkung des Rechts auf Zugang zu Land. Viele unserer Verarbeitungsstätten befinden sich direkt an den Anlandestellen. Rechtlich gesehen sehen wir uns mit Dokumenten konfrontiert, aus denen hervorgeht, dass diese Grundstücke nicht den Frauen gehören. Manchmal sieht man Frauen, die Flächen seit über 50 Jahren nutzen, und eines schönen Tages kommt jemand und zerstört sie. Deshalb müssen wir die Frauen schulen, damit sie ihre Rechte kennen.

Und es muss einen Zugang für Frauen zu den Entscheidungsgremien geben. Denn wenn wir dort nicht angemessen vertreten sind, richtet sich alles, was beschlossen wird, gegen uns. Man kann nicht über Fischerei sprechen, ohne über Frauen zu sprechen. Wir sind in der gesamten Wertschöpfungskette präsent, obwohl wir, zusammen mit den Jugendlichen, zu den am stärksten marginalisierten Gruppen gehören.

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Wenn es keine Fische mehr gibt, werden die Menschen Probleme haben, sich zu ernähren.

Zum Schluss: Wenn Sie eine einzige Forderung direkt an die Europäische Kommission richten könnten, wie würde diese lauten?

Meine Forderung wäre, dass alle fischereibezogenen Aktivitäten in den westafrikanischen Gewässern die Nachhaltigkeit der Ressourcen und die Interessen der lokalen Gemeinschaften respektieren. Denn wenn die Ressourcen nicht gut bewirtschaftet werden, besteht die Gefahr, dass die wenigen Ressourcen, über die wir verfügen, verschwinden – und damit auch unser Beruf. Unser Leben hängt von diesen Ressourcen ab. Es sind diese Ressourcen und die Einnahmen, die es uns ermöglichen, die Bedürfnisse unserer Familien zu decken.

Zudem müssen wir entschlossen gegen die illegale Fischerei vorgehen und die handwerkliche Fischerei unterstützen, damit wir Alternativen entwickeln können. Insbesondere während der biologischen Schonzeiten. Wir müssen unsere Ozeane schützen, etwa durch die Wiederaufforstung von Mangroven und lokale Vereinbarungen. Aber es muss auch soziale Gerechtigkeit und Ernährungssicherheit für die Bevölkerung geben, die davon abhängt. Wenn es keine Fische mehr gibt, werden die Menschen Probleme haben, sich zu ernähren.

Das Interview wurde im September 2026 durchgeführt.

Der Kontakt zu Diaba erfolgte dank Blue Ventures, von denen auch die Fotos stammen.