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Interview / Brasilien

Cristiane Katzer

ein Selfie von brasilianischen Landwirtin

Cristine Kratzer

Cristiane Katzer (33) ist Familienbäuerin in Linha São Roque, Paraná (Brasilien). Gemeinsam mit ihren Eltern bewirtschaftet sie einen kleinen Hof, auf dem sie Lebensmittel wie Bohnen, Mais, Süßkartoffeln, Maniok, Gemüse und Obst anbaut. Überschüsse werden lokal verkauft. Zudem betreibt die Familie eine Agroforstwirtschaft mit über 200 Obstbäumen und hält Tiere wie Schweine, Hühner und Rinder.

Cristiane engagiert sich seit Jahren in sozialen Bewegungen und Organisationen für die Rechte von Familienbäuer:innen und die Förderung der Agraökologie. Sie hat einen Abschluss in Geographie (Lehramt) und studiert aktuell Agraökologie und Ländliche Entwicklung im Master an der UFFS. Zuvor war sie in Gewerkschaften und als Direktorin der ASSESOAR tätig.

"Mein Ziel ist es,

akademisches Wissen mit traditionellem Wissen, Lebenserfahrungen und dem Kampf für die Agraökologie zu verbinden."

Welche konkreten Auswirkungen haben politische Entscheidungen und Ernährungsgewohnheiten auf Sie, Ihre Familie und Ihre Gemeinschaft?

Politische Entscheidungen begünstigen oft bestimmte Sektoren und Produktionsformen. Wer sich entscheidet, anders zu wirtschaften, als es die Politik vorschreibt, muss mit den Konsequenzen leben.

Ein klares Beispiel dafür ist die einfache politische Genehmigung von Pestiziden, die die Arbeit von Bäuerinnen und Bauern, die agraökologisch wirtschaften wollen, stark beeinträchtigt. In den letzten Jahren gab es zwar eine Zunahme der Kredite für die Familienlandwirtschaft und die Agraökologie, was den Widerstand der Bäuerinnen und Bauern stärkt. Doch diese Unterstützung ist immer noch unzureichend und sehr ungleich im Vergleich zu den Mitteln, die dem Agrarbusiness zur Verfügung stehen.

Als ich ein Kind war, gab es auf fast jedem Hof Obstbäume, Wassermelonen, Maniok, Süßkartoffeln, Hühner im Hof und eine Kuh für die Milchversorgung. Heute sehe ich, wie die Gemeinschaft schrumpft und die Vielfalt auf den Höfen abnimmt.

Ich betrachte unsere Gemeinschaft immer noch als sehr aktiv in der Lebensmittelproduktion, auch wenn viele Soja, Tabak und gentechnisch veränderten Mais anbauen. Neben diesen Kulturen gibt es aber auch noch andere. Meiner Meinung nach liegt das an mehreren Faktoren: Einer davon ist, dass ein Teil dieser Gemeinschaft jahrelang an Schulungen des Sindicato dos Trabalhadores Rurais de Salgado Filho/PR und der ASSESOAR teilgenommen hat. Dort wurde die Identität der Bäuerinnen und Bauern und der Umgang mit dem Land thematisiert. Ein weiterer Grund ist, dass ein Großteil des Landes hügelig und steil ist, was den Anbau mechanisierter Kulturen wie Soja erschwert.

Doch diese produktive Vielfalt nimmt ab, vor allem durch den übermäßigen Einsatz von Pestiziden und die Ausweitung des Anbaus von Soja und Tabak.

"Ernährungsgewohnheiten werden stark durch staatliche Politik beeinflusst.

Wenn ein Land industrielle Nahrung mit vielen chemischen Zusatzstoffen fördert, prägt das die Ernährung der gesamten Bevölkerung."

Für uns als Familie bedeutet das Fehlen von Unterstützung und Förderung, insbesondere bei der Vermarktung und der agraökologischen Beratung, dass unser Einkommen hauptsächlich aus der Rente meiner Eltern stammt. Würden wir nur von den Erträgen des Hofs leben, wäre das nicht ausreichend.

Welche sozialen und ökologischen Folgen beobachten Sie?

Der Vormarsch des Agrarbusiness vertreibt die Kleinbäuerinnen und -bauern, führt zu Entwaldung, verringert die Biodiversität, verschmutzt Wasser und Luft und degradiert den Boden. Im kapitalistischen System steht der Profit über dem Leben.

"Die Verringerung der Vielfalt an produzierten und konsumierten Lebensmitteln ist nicht nur ein ökologisches,

sondern auch ein gesundheitliches Problem. Die Auswirkungen werden in Zukunft noch gravierender sein."

Gibt es Initiativen oder Projekte, die sich diesen Herausforderungen stellen?

In Brasilien wurden in den letzten zwei Jahren verschiedene soziale Programme wiederaufgenommen, die die Familienlandwirtschaft und die Agraökologie stärken sollen. Dazu gehören:

Es gibt auch zahlreiche Volksorganisationen, Bewegungen und Gewerkschaften, die sich für die Stärkung der Agraökologie einsetzen. Sie führen Projekte durch, die von Institutionen wie der ITAIPU Binacional (einem binationalen Unternehmen, das die Verwaltung des Itaipu-Wasserkraftwerks übernimmt) oder von internationaler Zusammenarbeit, wie zum Beispiel „Brot für die Welt“, unterstützt werden.

Welche Wünsche oder Forderungen haben Sie an die Politik und die Gesellschaft, insbesondere vor dem Hintergrund globaler Ungerechtigkeiten?

Ich glaube, dass wir uns kollektiv immer stärker organisieren müssen. Wir brauchen kollektive Strategien und gemeinschaftlich organisierte Aktionen, um Schritt für Schritt den Weg der Agraökologie voranzubringen. Agraökologie ist ein Weg zu einer grundlegenden gesellschaftlichen Transformation.

"Agroökologie bedeutet nicht nur eine neue Art der Produktion,

sondern auch eine neue Art, Gesellschaft zu organisieren – mit Umweltschutz, gesunden Lebensmitteln, Geschlechtergerechtigkeit und gerechter Einkommensverteilung."

Das Interview wurde im März 2026 durchgeführt.