Gegenüber der kritischen Rolle der Universitäten in der Legitimation und Verbreitung kolonialistischer Vorstellungen, finden wir auch andere Geschichten. Geschichten, die allerdings lange von der weißen Mehrheitsgesellschaft unsichtbar gemacht worden sind und die erst allmählich in unser gesellschaftliches Erinnerungskonzept Eingang finden. Eine dieser Geschichten handelt von Anton Wilhelm Amo.
Anton Wilhelm Amo gilt als eine der ersten bedeutenden Schwarzen Persönlichkeiten in der deutschen Geschichte. Geboren um 1700 an der Westküste des heutigen Ghana, wurde Amo vermutlich als Kind versklavt und durch die niederländische Westindien-Kompanie nach Europa gewaltvoll verschleppt. So gelangte er an den Hof von Braunschweig-Wolfenbüttel. Trotz der Widrigkeiten seiner Zeit erhielt er die seltene Möglichkeit, eine schulische Ausbildung zu genießen. Später setzte er seine Studien in Halle-Leipzig und Jena fort, wo er sich zu einem herausragenden Vertreter der Frühaufklärung entwickelte. Als vermutlich erster Schwarzer Intellektueller in Deutschland setzte sich Amo aktiv für die Rechte Schwarzer Menschen in Europa ein und prägte die philosophischen Diskurse seiner Zeit.
Seine wissenschaftlichen Arbeiten, darunter eine Abhandlung über die Rechte Schwarzer Menschen in Deutschland, waren von großer Bedeutung, blieben jedoch lange durch den kolonialen und rassistischen Blick unsichtbar. Erst im 20. Jahrhundert wurde Amo „wiederentdeckt“, und seine Rolle als Pionier wird heute durch die Benennung von Straßen und Plätzen nach ihm gewürdigt. Amo steht symbolisch für die zahlreichen historischen Persönlichkeiten nicht-weißer Menschen in Europa, die jedoch allzu oft verschwiegen wurden. Für die Schwarze Community ist er eine wichtige Persönlichkeit, deren Erbe weiterhin inspiriert und die historische Präsenz sowie Bedeutung Schwarzer Menschen in Deutschland betont.
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